Hilfe für Hannah

Hannahs Leidensweg


Doch es kam anders. Mit 14 Jahren erkrankte sie an den Windpocken – wie sich später herausstellte, war dies der Anfang ihres CFID-Syndroms. Aber bis zur Diagnose sollten noch viele Jahre vergehen. Hannah erholte sich von der Infektion nicht mehr, ihr Körper blieb geschwächt. Das geliebte Geigespielen musste sie aufgeben, da sie ständig extrem erschöpft war und unter starken Muskel- und Gelenkschmerzen litt.

Durch die unbeschreibliche Erschöpfung, die sich immer weiter verschlimmerte, wurde für sie jegliche Aktivität zunehmend zur Qual. Unternehmungen mit Freunden wurden unmöglich. So verlor sie im Lauf der Zeit all ihre Freunde.

Der morgendliche Schulbesuch wurde zu einer Tortur, nach der sie jedesmal, wenn sie nach Hause kam, vor Erschöpfung zusammenbrach. Dennoch brachte sie die Schule mit größter Willenskraft hinter sich.

Ihr Leiden verschlimmerte sich immer weiter, trotzdem wollte sie sich der Krankheit nicht geschlagen geben und versuchte, ein Germanistik- und Philosophiestudium zu beginnen. Schließlich kam es 2003 zum endgültigen Zusammenbruch. Hannah musste das Studium abbrechen und wieder in den Haushalt ihrer Mutter zurückkehren, da sie sich nicht mehr selbst versorgen konnte.

Sie konsultierte im Laufe der Jahre unzählige Ärzte, doch niemand konnte die Ursache für ihr Leiden finden. Sie probierte bestimmt zwanzig verschiedene Therapien – Homöopathie, Chinesische Medizin, Physiotherapie, Antidepressiva, Psychotherapie, Akupunktur usw., usw. - , sie begab sich in mehreren Kliniken stationär in Behandlung, doch nichts half. Manche Therapieansätze wie z.B. die Behandlung mit Antidepressiva verschlimmerten ihr Leiden nur noch.

Obwohl keine der vielen Behandlungen eine Besserung brachte, kein Arzt ihr helfen konnte, obwohl sie mittlerweile nur noch im Bett liegen konnte, obwohl sie schon lange nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen konnte und zusehends vereinsamte, gab sie die Hoffnung nicht auf und kämpfte weiter.

Im Sommer 2005 begann sie die Behandlung in einer auf CFIDS-Kranke spezialisierten Tagesklinik. Und endlich – nach elf Jahren vergeblicher Suche – fand man dort die Ursache ihres Leidens heraus: einen Immundefekt. Durch diesen Immundefekt hatte sich eine Vielzahl von viralen und bakteriellen Infektionen in ihrem Körper ausgebreitet und bereits Organe und Nerven angegriffen. Da ihre Krankheit nun schon seit elf Jahren bestand, war sie schon so weit fortgeschritten, dass es schwierig war, dagegen anzukommen. Die Blutwerte besserten sich nur langsam, aber ein Fortschritt war deutlich zu erkennen. Allmählich gelang es, das Immunsystem wieder zur Arbeit anzuregen und die Vielzahl der Virusinfektionen, die sich in Hannahs Körper ausgebreitet und ihr Herz bereits geschädigt hatten, etwas einzudämmen.

Obwohl der behandelnde Arzt mehrmals bescheinigte, dass Hannah an einem besonders schweren Verlauf von CFIDS leidet und diese Krankheit unbehandelt zum Tode führen kann, weigerte sich die Krankenkasse, die Kosten für die Immuntherapie zu übernehmen. Gerichtsverfahren in ähnlichen Fällen haben Patienten Recht gegeben, doch erfahrungsgemäß dauern diese Prozesse sehr lange. Schließlich muss auch der Anwalt bezahlt werden – Kosten, die Hannah, die von der „Hilfe zum Lebensunterhalt“ lebt, nicht aufbringen kann. Im Sommer 2007 musste sie deshalb aus Geldmangel die Therapie abbrechen.



                                                    Hannah heute