Hilfe für Hannah

Lage der Patienten



Mittlerweile wurden über 4000 Forschungsarbeiten publiziert, die sich mit den körperlichen Anomalien bei CFIDS beschäftigen. Dennoch herrscht in Deutschland weitgehend – gerade unter Ärzten – die Meinung, CFIDS sei eine psychiatrische Erkrankung. Dabei listet sogar die Weltgesundheitsorganisation in ihrem Katalog, in dem alle Krankheiten klassifiziert werden und der weltweit verbindlich ist, CFIDS unter der Rubrik „Krankheiten des Nervensystems“ (d.h. im Bereich Neurologie) mit dem Zusatz „mit Immundisfunktion“ auf. CIFDS ist dort mitnichten unter „psychische Erkrankungen“ zu finden.

Man ist schon sehr verwundert, wie CFIDS-Patienten hierzulande begegnet wird: Antidepressiva werden nach sage und schreibe 3 (in Worten: DREI!) Minuten Beratung und „Untersuchung“ verschrieben (mir selbst so passiert) – obwohl die meisten CFIDS-Patienten gar keine Depression haben und hochempfindlich auf solche Medikament reagieren. (Wenn man berücksichtigt, dass man Antidepressiva nur unter ständiger ärztlicher Aufsicht einnehmen darf, ist es gerade zu fahrlässig, einen Patienten, den man noch nie zuvor gesehen hat, mit einer Packung Antidepressiva nach Hause zu schicken...). Der stationäre Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik wird Patienten angeraten, die mehrere akute Virusinfektionen haben, die unbehandelt zu tödlichen Komplikationen führen können, und deren Herz schwer geschädigt ist, sodass das Risiko von Herzinfarkten besteht (so Hannah passiert). Sport wird Patienten empfohlen, die kaum gehen können. „CFIDS gibt es gar nicht!“, sagte neulich eine Ärztin zu Hannah. Ich glaube kaum, dass die Gesundheitsbehörde der USA mehrere Millionen Dollar für eine Aufklärungskampagne bereitstellt für eine Krankheit, die es nicht gibt, und jährlich eine weitere Summe in Millionenhöhe in deren Erforschung investiert. Mein „bestes“ Arzterlebnis war, als ein Chefarzt der Essener Uniklinik zu mir sagte: „Sie können mir jetzt erzählen, was Sie wollen, ich glaube Ihnen sowieso nicht.“ Dieses völlige Nicht-Ernst-Nehmen der Patienten und das komplette Ignorieren der wissenschaftlichen Arbeiten über CFIDS ist leider typisch für viele deutsche Ärzte. Es ist eben sehr viel einfacher, einen Patienten, der über Müdigkeit und diverse andere Symptome klagt, kurzerhand als depressiv zu erklären, als sich mit so einer komplizierten Krankheit wie CFIDS zu beschäftigen.

Das große Leid dieser Ignoranz müssen die Patienten tragen. Oft dauert es Jahre, bis sie einen Arzt finden, der sie ernst nimmt, und wenn sich endlich eine Möglichkeit der Behandlung gefunden hat, weigert sich die Krankenversicherung in vielen Fällen, die Kosten zu übernehmen, da angeblich die Wirksamkeit nicht nachgewiesen ist. Da viele CFIDS-Erkrankte arbeitsunfähig sind, fehlen die finanziellen Mittel. Der Weg ins soziale Abseits und die Armut sind so vorprogrammiert. In einem Satz: Die Lage der CFIDS-Patienten in Deutschland ist entsetzlich.


Die Ärzte und Gesundheitsbehörden müssen endlich aufwachen! CFIDS muss auch in Deutschland als das wahrgenommen werden, was es ist: eine schwere, neuroimmunologische Erkrankung, die nicht nur zur Behinderung und Erwerbsunfähigkeit führt, sondern die sogar tödlich enden kann. International längstens anerkannte Forschungsergebnisse müssen auch hier anerkannt werden. Auch Deutschland muss in die Erforschung dieser verheerenden Krankheit investieren. Wir brauchen Aufklärungskampagnen, wie sie in den USA und in England stattgefunden haben, um die Öffentlichkeit zu informieren. Und: Die Krankenkassen müssen endlich die Kosten für Medikamente, die die Symptome lindern oder sogar den zugrundeliegenden Immundefekt weitestgehen beheben, erstatten!